Smartwatches im Second Life – Warum Wearables das nächste große Trade-In-Terrain sind

Als der 32-jährige Software-Ingenieur Marco Seidel Ende Juli sein Fitnessziel von 10 000 Schritten knackte, vibrierte sein Handgelenk nicht mehr. Der Akku seiner drei Jahre alten Galaxy Watch 4 hielt kaum noch bis zum Feierabend. Seidel klickte sich durch Händler-Portale – und stellte erstaunt fest, dass Samsung ihm 225 Euro Sofortgutschrift für die alte Uhr anrechnete, wenn er die neue Galaxy Watch 8 Classic vorbestellte. Was vor Kurzem nur für Smartphones üblich war, etabliert sich jetzt rasant bei Wearables: Trade-In-Programme, die gebrauchte Uhren als Ressource begreifen und Kunden beim Upgrade entlasten.

Ein Milliarden-Markt wartet auf sein Recycling

Zwar sind die globalen Smartwatch-Auslieferungen 2024 erstmals um 7 Prozent geschrumpft, doch die schiere Menge bleibt gewaltig: IDC zählt 534,6 Millionen ausgelieferte Wearables im selben Jahr. Allein Europas Smartwatch-Umsatz erreicht 6,77 Milliarden US-Dollar 2025 und soll bis 2030 zweistellig wachsen. Parallel entsteht ein Sekundärmarkt für „Refurbs“: Laut Bosson Research lag der globale Umsatz mit wiederaufbereiteten Wearables 2024 bereits bei 562 Millionen US-Dollar – mit 12,3 Prozent CAGR das am schnellsten wachsende Segment der Recommerce-Branche.

Trade-In kommt im Massenmarkt an

Waren Rückkauf-Programme für Uhren vor drei Jahren noch exotisch, listen heute fast alle großen Hersteller die Kategorie: Apple zahlt bis zu 375 US-Dollar für ein gebrauchtes Modell, Samsung bewirbt Instant-Credits für seine Watches ausdrücklich, und Händler wie Best Buy koppeln Vorbestellungen an erhöhte Eintauschwerte. Auch in Europa zieht der Handel nach: Ingram Micro verzeichnet einen „deutlich beschleunigten Zulauf“ von Smartwatch-Rückgaben in Großbritannien und Deutschland.

Warum Verbraucher:innen früher tauschen

Kürzere Innovationszyklen
Blutsauerstoff-Sensor hier, KI-gestützte Schlafanalyse dort – jährliche Funktionssprünge treiben Upgrade-Lust. Die Folge: Der durchschnittliche Nutzungszyklus einer Smartwatch sinkt erstmals unter 2,5 Jahre, während Smartphones noch knapp vier Jahre halten.

Gesundheit als Treiber
Mit regulatorischer Freigabe für EKG- und Blutdruck-Features in der EU seit 2024 wird medizinische Präzision Standard. Wer bestimmte Werte tracken muss, ersetzt veraltete Sensorik rascher.

Design-Fatigue
Uhren sind Mode. Neue Materialien (Titan, recyceltes Edelstahl) und größere Displays machen das Zurück-Schicken alter Modelle ähnlich selbstverständlich wie das saisonale Aufrüsten des Kleiderschranks.

Ökologische Dividende – messbar und vermittelbar

Eine 45-Gramm-Smartwatch bindet im Lebenszyklus bis zu 30 Kilogramm CO₂ – 70 Prozent davon in Produktion und Logistik. Wird das Gerät zwei- statt einmal genutzt, halbiert sich dieser Fußabdruck sofort. Die Circular-Economy-Regeln der EU schreiben Herstellern ab 2025 detaillierte Ökobilanzen vor; Trade-Ins sind der schnellste Compliance-Hebel.

Residualwerte – klein, aber margenstark

Anders als bei Smartphones erreichen gebrauchte Uhren selten dreistellige Beträge. Doch ihr Rentabilitätsprofil ist attraktiv: Geringerer Logistikaufwand, kein Carrier-Lock, weniger Datenschutzrisiken. Händler erzielen laut Ingram Micro bis zu 18 Prozent Marge pro refurbished Wearable – doppelt so viel wie bei Mid-Range-Phones.

Ausblick

Wearables sind längst mehr als Accessoires; sie sammeln Gesundheitsdaten, steuern Smart-Homes und begleiten Zahlungen. Je nützlicher die Funktionen, desto kürzer die Zyklen – und desto größer der Berg gebrauchter Uhren. Wer heute robuste Trade-In-Strukturen etabliert, besetzt einen Milliardenmarkt, der gerade erst Fahrt aufnimmt.

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