Das neue Handy ist eingerichtet, das alte liegt verkaufsbereit daneben – und dann fragt die Bank nach einer TAN, die auf genau dem Gerät landet, das du gerade zurückgesetzt hast. Der Umzug der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) ist der Schritt, den beim Handywechsel fast alle unterschätzen. Wer ihn vergisst, sperrt sich im schlimmsten Fall aus Online-Banking, E-Mail-Konto oder Passwort-Manager aus – und das ausgerechnet dann, wenn das alte Gerät schon gelöscht ist. Mit der richtigen Reihenfolge dauert der Umzug keine halbe Stunde. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du Codes, TAN-Verfahren und Passkeys sicher mitnimmst, bevor du dein Altgerät löschst und verkaufst.
Wie ziehe ich meine 2FA-Codes auf ein neues Handy um?
Kurz gesagt: Ziehe alle Zweitfaktoren um, solange das alte Handy noch funktioniert und entsperrt ist – erst danach zurücksetzen. Bei Google Authenticator und Microsoft Authenticator übernimmt das ein Cloud-Backup beziehungsweise ein Export per QR-Code, Banking-Apps mit pushTAN oder photoTAN musst du dagegen aktiv auf dem neuen Gerät neu freischalten. Am Ende steht ein Test-Login pro wichtigem Konto – erst wenn der funktioniert, wird gelöscht.
Der komplette Ablauf in der Kurzfassung:
- Bestandsaufnahme: Welche Konten und Apps hängen an deinem alten Handy?
- Authenticator-Apps per Cloud-Backup oder QR-Export auf das neue Gerät bringen.
- Banking- und TAN-Apps auf dem neuen Gerät neu aktivieren (Vorlauf einplanen).
- Rufnummer beziehungsweise eSIM übertragen, damit SMS-TAN weiter ankommt.
- Passkeys, Passwort-Manager und App-Daten mitnehmen.
- Alles testen, alte Geräte aus den Konten abmelden.
- Erst jetzt: Altgerät zurücksetzen und verkaufen.
Warum du das alte Handy erst ganz zum Schluss zurücksetzen darfst
Authenticator-Apps erzeugen ihre Sechs-Stellen-Codes nicht aus dem Nichts: Hinter jedem Eintrag steckt ein geheimer Schlüssel, den die App beim Einrichten gespeichert hat. Liegt dieser Schlüssel nur lokal auf dem Gerät – also ohne aktiviertes Cloud-Backup –, verschwindet er beim Zurücksetzen unwiederbringlich. Anders als Fotos oder Chats lässt er sich auch nicht aus einem gewöhnlichen Geräte-Backup zurückholen, weil viele Authenticator-Apps ihre Daten bewusst von iCloud- und Google-Backups ausnehmen.
Noch strenger sind Banking-Apps. Verfahren wie pushTAN, photoTAN oder App-basierte Freigaben sind an ein konkretes Gerät gebunden – das ist Sicherheitsfeature, nicht Schikane. Ist das alte Gerät gelöscht und das neue noch nicht freigeschaltet, fehlt dir genau der Faktor, den du für die Freischaltung bräuchtest. Deshalb gilt als eiserne Regel: Erst umziehen und testen, dann löschen. Alles Weitere – Werksreset, Versand, Auszahlung – kommt danach.
Schritt 1: Bestandsaufnahme – was hängt eigentlich an deinem Handy?
Die meisten Menschen unterschätzen, wie viele Zugänge an einem einzigen Smartphone kleben. Bevor du irgendetwas löschst, geh in Ruhe die folgende Liste durch und notiere dir, was auf dich zutrifft. Das dauert fünf Minuten und erspart dir später Telefonate mit Hotlines:
- Authenticator-Apps (Google Authenticator, Microsoft Authenticator, Authy, 2FAS, Aegis) – oft mit Dutzenden hinterlegten Konten.
- Banking- und TAN-Apps (pushTAN, photoTAN, VR SecureGo plus, App-Freigaben von Direktbanken und Kreditkarten).
- SMS-TAN und Anrufe – hängen an deiner Rufnummer und damit an SIM oder eSIM.
- Passkeys, die im iCloud-Schlüsselbund oder Google Passwortmanager liegen.
- Passwort-Manager mit lokaler Entsperrung per Face ID oder Fingerabdruck.
- Apps mit Gerätebindung: Krypto-Wallets, Ausweis-Apps, Ticket- und Versicherungs-Apps, Firmen-Zugänge per MDM.
- Chatverläufe und Fotos, die du separat sichern musst.
Schritt 2: Google Authenticator auf das neue Handy übertragen
Google Authenticator war jahrelang berüchtigt dafür, dass ein Gerätewechsel im Datenverlust endete. Seit April 2023 gibt es jedoch eine Cloud-Synchronisierung: Wer sich in der App mit seinem Google-Konto anmeldet, sichert die hinterlegten Konten und findet sie auf einem neuen Gerät nach dem Login automatisch wieder. Prüfe zuerst auf dem alten Handy, ob diese Sicherung aktiv ist – oben rechts auf das Profilbild tippen und die Sicherung im Google-Konto aktivieren. Danach richtest du die App auf dem neuen Gerät mit demselben Konto ein.
Willst du deine Codes nicht in der Cloud liegen haben oder nutzt du die App ohne Konto, funktioniert der direkte Export von Gerät zu Gerät. Beide Handys müssen dafür griffbereit sein:
- Auf dem alten Handy den Google Authenticator öffnen und im Menü den Punkt zum Übertragen beziehungsweise Exportieren von Konten wählen.
- Die Konten markieren, die mitsollen – die App erzeugt daraus einen QR-Code (bei vielen Einträgen mehrere nacheinander).
- Auf dem neuen Handy die App installieren, den Import starten und die QR-Codes abfotografieren.
- Auf dem neuen Gerät stichprobenartig prüfen, ob die erzeugten Codes wirklich zum Login passen.
Wichtig: Der Export kopiert die Konten, er verschiebt sie nicht. Auf dem alten Handy bleiben sie also aktiv, bis du das Gerät zurücksetzt – ein weiterer Grund, den Reset erst am Ende durchzuführen und ihn dann wirklich durchzuziehen. Wie das sauber geht, steht in unserer Anleitung zum sicheren Löschen der Daten vor dem Verkauf.
Schritt 3: Microsoft Authenticator, Authy und die anderen Apps
Der Microsoft Authenticator bringt ein eigenes Cloud-Backup mit, das an ein persönliches Microsoft-Konto gekoppelt ist. Du aktivierst es in den App-Einstellungen auf dem alten Gerät, installierst die App auf dem neuen Handy und meldest dich dort mit demselben Konto an, um die Wiederherstellung zu starten. Achte auf eine bekannte Einschränkung: Laut Microsoft funktioniert die Wiederherstellung zuverlässig innerhalb derselben Plattform. Beim Wechsel von Android zu iPhone oder umgekehrt solltest du deshalb einplanen, dass du einzelne Konten neu verknüpfen musst.
Bei Authy hängt alles am Backup-Passwort, das du beim Einrichten vergeben hast – ohne dieses Passwort lassen sich die verschlüsselten Einträge auf einem neuen Gerät nicht entschlüsseln. Suche es also heraus, bevor du das alte Handy anfasst. Open-Source-Apps wie 2FAS oder Aegis bieten dagegen eine manuelle Exportdatei, die du selbst sichern musst. Der gemeinsame Nenner: Jede App hat ihren eigenen Weg, und keiner davon funktioniert rückwirkend. Gehe deshalb App für App durch, statt dich auf ein pauschales Handy-Backup zu verlassen.
Schritt 4: Banking- und TAN-Apps sind der Sonderfall
Hier lauert das größte Risiko – und der häufigste Grund, warum Verkäuferinnen und Verkäufer tagelang aus ihrem Konto ausgesperrt sind. TAN-Verfahren wie pushTAN, photoTAN, VR SecureGo plus oder App-Freigaben von Direktbanken binden sich an ein bestimmtes Gerät. Ein Backup hilft nicht, weil die Bank die Gerätebindung serverseitig prüft. Der Umzug läuft deshalb bei praktisch allen Instituten ähnlich ab, auch wenn die Menüpunkte anders heißen:
- Solange das alte Handy noch läuft: im Online-Banking oder in der TAN-App die Geräteverwaltung öffnen.
- Das neue Gerät hinzufügen beziehungsweise die App dort installieren und die Freischaltung starten.
- Die Freigabe mit dem alten Gerät bestätigen – das ist der Moment, der später nicht mehr nachholbar ist.
- Eine echte Transaktion testen (etwa eine Überweisung von einem Cent auf ein eigenes Konto).
- Erst dann das alte Gerät in der Geräteverwaltung entfernen.
Läuft die Freischaltung nicht mehr über das alte Gerät, verschicken viele Banken einen Aktivierungsbrief per Post. Das kann je nach Institut mehrere Werktage dauern – plane diesen Puffer ein, wenn du dein Altgerät zeitnah verschicken willst. Bei Fragen zum genauen Ablauf ist die Hotline deiner Bank die verlässlichere Quelle als jede allgemeine Anleitung, denn die Details unterscheiden sich von Institut zu Institut.
Schritt 5: SMS-TAN, Rufnummer und eSIM
Viele Dienste schicken den zweiten Faktor weiterhin per SMS. Dieser Faktor hängt nicht am Gerät, sondern an deiner Rufnummer – und damit an der SIM. Bei einer klassischen SIM-Karte genügt es, sie umzustecken. Nutzt du eine eSIM, ist der Umzug ein eigener Schritt: Das Profil muss vom alten auf das neue Gerät übertragen oder beim Anbieter neu bereitgestellt werden. Setzt du das alte Handy vorher zurück, ist das eSIM-Profil weg und du brauchst einen neuen Aktivierungscode – ausgerechnet dann, wenn du für den Login beim Anbieter womöglich eine SMS bräuchtest.
Aktuelle iPhones und Android-Geräte bieten inzwischen eine direkte eSIM-Übertragung zwischen zwei Geräten an, teils auch eine Wiederherstellung aus der Hersteller-Cloud. Ob das für deinen Tarif funktioniert, hängt vom Mobilfunkanbieter ab. Die Details – inklusive der Frage, wann du das eSIM-Profil auf dem Altgerät löschen solltest – haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst: eSIM vor dem Verkauf löschen.
Schritt 6: Passkeys, Passwort-Manager und App-Daten
Passkeys ersetzen bei immer mehr Diensten das Passwort und gelten als besonders phishingsicher. Gespeichert werden sie in der Regel im iCloud-Schlüsselbund oder im Google Passwortmanager – und wandern damit automatisch mit, sobald du dich auf dem neuen Gerät mit demselben Konto anmeldest. Prüfe trotzdem, ob wirklich alle Passkeys angekommen sind, bevor du das Altgerät löschst. Liegt ein Passkey nur lokal auf dem alten Handy, brauchst du für den betroffenen Dienst einen Ersatzweg, etwa ein Passwort plus Wiederherstellungscode.
Beim Passwort-Manager ist der wichtigste Punkt banal und wird trotzdem oft vergessen: Du brauchst dein Master-Passwort. Auf dem alten Gerät hat dich monatelang der Fingerabdruck hineingelassen – auf dem neuen Handy verlangt die App den vollständigen Zugang. Dasselbe gilt für App-Inhalte, die nicht automatisch mitziehen. Wie du zum Beispiel Chatverläufe verlustfrei mitnimmst, zeigt unser Ratgeber zum Sichern von WhatsApp-Chats vor dem Handyverkauf.
Schritt 7: Testen, abmelden – und erst dann löschen
Bevor das alte Gerät zurückgesetzt wird, steht die Kontrollrunde an. Melde dich auf dem neuen Handy einmal bei jedem wichtigen Dienst neu an: E-Mail, Online-Banking, Passwort-Manager, Social-Media-Konten, Cloud-Speicher. Nur ein erfolgreicher Login beweist, dass der zweite Faktor wirklich angekommen ist. Lade dir bei dieser Gelegenheit die Wiederherstellungscodes der wichtigsten Konten herunter und bewahre sie außerhalb des Handys auf – ausgedruckt oder im Passwort-Manager. Sie sind deine Rückversicherung, wenn beim nächsten Gerätewechsel etwas schiefgeht.
Danach entfernst du das Altgerät aus den Konten, in denen es als vertrauenswürdiges Gerät hinterlegt ist – bei Apple über die Geräteliste im Apple-Konto, bei Google über die Sicherheitseinstellungen, dazu Banking-App, Messenger und Cloud-Dienste. Bei Apple-Geräten gehört außerdem das Abmelden aus der Aktivierungssperre dazu, sonst kann der Ankäufer das Gerät nicht in Betrieb nehmen: Aktivierungssperre vor dem Verkauf entfernen. Erst wenn das erledigt ist, folgt der Werksreset.
Was tun, wenn das alte Handy schon zurückgesetzt ist?
Dann ist noch nicht alles verloren, es wird nur unbequemer. Für Konten mit hinterlegten Wiederherstellungscodes ist der Fall einfach: Code eingeben, 2FA neu einrichten, frische Codes erzeugen. Fehlen die Codes, bleibt der offizielle Wiederherstellungsprozess des jeweiligen Anbieters – bei großen Diensten dauert das aus Sicherheitsgründen oft mehrere Tage. Beim Online-Banking führt der Weg über Hotline oder Filiale, meist mit Identitätsprüfung und einem Aktivierungsbrief per Post. Prüfe außerdem, ob ein zweites registriertes Gerät (Tablet, Zweithandy) noch Freigaben erteilen kann – viele Banken erlauben genau dafür mehrere Geräte.
Und die Lehre für das nächste Mal: Ein zweiter registrierter Faktor, den du nicht verkaufst, macht jeden künftigen Handywechsel entspannt. Wie du ein Konto grundsätzlich absicherst, erklärt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in seinen Empfehlungen zur Zwei-Faktor-Authentisierung; die konkreten Schritte für den Google Authenticator dokumentiert Google in seiner offiziellen Hilfe.
Und dann: Altgerät zu Geld machen statt in die Schublade legen
Ist der Umzug erledigt und das Gerät gelöscht, hat dein altes Handy noch einen echten Marktwert – der aber mit jedem Monat in der Schublade sinkt. Bei everlectro bekommst du den angezeigten Preis auch tatsächlich ausgezahlt: Was der Preisrechner nennt, ist dank unserer 100 % Preisgarantie der Betrag auf deinem Konto, solange deine Zustandsangaben stimmen. Kein nachträgliches Herunterhandeln, keine Überraschung nach dem Versand – warum uns dieser Punkt so wichtig ist, erklären wir im Ratgeber Elektronik verkaufen ohne Preisdrückerei.
Du kannst direkt loslegen: Gerät verkaufen und Preis berechnen, speziell für Apple-Geräte über den iPhone-Ankauf oder den MacBook-Ankauf. Auch Tablets, Smartwatches und Kopfhörer nehmen wir an – eine Übersicht findest du unter Geräte verkaufen. Fragen zum Ablauf, zur Auszahlung und zur Datenlöschung beantworten wir gebündelt in unseren häufigen Fragen.
Häufige Fragen zum 2FA-Umzug vor dem Handyverkauf
Kann ich den Google Authenticator ohne das alte Handy wiederherstellen?
Nur dann, wenn die Sicherung im Google-Konto vorher aktiv war – dann genügt die Anmeldung mit demselben Konto auf dem neuen Gerät. Ohne aktives Cloud-Backup und ohne QR-Export sind die Einträge nach einem Werksreset verloren; du musst die 2FA für jeden Dienst einzeln über Wiederherstellungscodes oder den Support neu einrichten.
Reicht ein normales Handy-Backup, um die 2FA mitzunehmen?
In der Regel nein. Viele Authenticator- und Banking-Apps nehmen ihre Schlüssel bewusst von iCloud- und Google-Backups aus, damit sie nicht über eine Sicherungsdatei kopierbar sind. Verlasse dich deshalb nicht auf das Gesamt-Backup, sondern ziehe jede 2FA-App einzeln um und teste sie.
Muss ich meine Banking-App vor dem Verkauf löschen?
Melde dich in der App ab und entferne das Gerät in der Geräteverwaltung deiner Bank, bevor du das Handy zurücksetzt. Der anschließende Werksreset löscht die App samt lokalen Daten ohnehin – die Gerätefreigabe auf Bankseite bleibt aber bestehen, wenn du sie nicht aktiv entfernst.
Was passiert mit meinen Daten, wenn ich mein Handy an everlectro verkaufe?
Wir empfehlen ausdrücklich, das Gerät vorher selbst zurückzusetzen – das ist der sicherste Weg. Zusätzlich wird jedes angekaufte Gerät bei uns vor der Wiedervermarktung nach anerkannten Verfahren gelöscht, sodass keine persönlichen Daten zurückbleiben.